Die 17. Schwangerschaftswoche (17. SSW)

Auch in der 17. Schwangerschaftswoche wird es eine Reihe von erfreulichen Ereignissen geben. Zudem sind ab dieser Woche umfangreiche Untersuchungen möglich, die eventuelle genetische Abweichungen oder auch Schädigungen des Ungeborenen zeigen. Sei jedoch unbesorgt, nur in sehr seltenen Fällen werden solche Abweichungen festgestellt.

Das zweite Drittel der Schwangerschaft wirft neue Fragen auf. Prinzipiell ist es am besten, bei wichtigen Fragen rund um die Schwangerschaft und um das Baby oder bei körperlichen sowie psychischen Beschwerden, die mehr als einen Tag andauern, immer einen Arzt aufzusuchen und nichts im Alleingang zu entscheiden und zu unternehmen.

Damit du dich voll und ganz auf die 23 bevorstehenden Schwangerschaftswochen konzentrieren kannst, solltest du deine Familie, deine engsten Freunde und deinen Partner darum bitten, dir im Alltag mit den wichtigsten Dingen zu helfen und dich zu unterstützen. Dazu zählen beispielsweise der schwere Großeinkauf am Wochenende, das Streichen der Wände des zukünftigen Kinderzimmers oder das Helfen im Haushalt.

Unterstützung, sowohl mental als auch körperlich, während deiner Schwangerschaft und Verständnis für diese besondere Zeit als werdende Mutter kannst du durchaus von deinem engsten Umfeld erwarten. Für die mentale Ausgeglichenheit können dir außerdem noch Yoga oder Meditation helfen. Hierzu musst du nicht zwingend in einen Kurs gehen, sondern kannst mit Büchern und DVDs zu Schwangerschaftsyoga oder angenehmer Entspannungsmusik deine Lieblingsübungen im Wohnzimmer machen.

Schließlich durchlebst du momentan enorme Veränderungen, auf die Rücksicht genommen werden sollte, um dir und deinem ungeborenen Kind in deinem Körper ausreichend Ruhe, und entspannende Wochen bis zur Geburt gewährleisten zu können und um dich nicht mit unnötigem Stress zu belasten.

 

Veränderungen des Körpers ab der 17. SSW

Wie in den Schwangerschaftswochen zuvor dehnt sich deine Gebärmutter weiter aus, weshalb sich dein Bauch härter anfühlt. Deine Organe, auch der Magen, bewegen sich mit dem Bauchwachstum weiter nach oben, weshalb gelegentliches Sodbrennen möglich ist. Sodbrennen und ebenso Verstopfung in der 17. SSW quälen viele Schwangere vor allem im zweiten Trimester ihrer Schwangerschaft.

Wenn auch du unter Verstopfung leidest, kann es helfen regelmäßig Dörrobst, viel Gemüse und Vollkornprodukte zu essen. Fettreiches Essen hingegen verschlimmert diese Beschwerden. Im Allgemeinen hilft gesunde Ernährung während der gesamten Schwangerschaft dabei, diese Symptome zu lindern.

Auch deine Gewichtszunahme schreitet wahrscheinlich langsam aber sicher fort. In dieser Woche nimmst du wohlmöglich ca. ein halbes Kilo zu, so dass du insgesamt ca. zwei bis fünf Kilo schwerer bist als zu Beginn deiner Schwangerschaft. Die tatsächliche Gewichtszunahme ist abhängig von der Ausgangssituation deines Gewichts.

Falls du vor deiner Schwangerschaft laut BMI (Body-Mass-Index) eher untergewichtig warst, nimmst du während der Schwangerschaft mehr zu als Schwangere mit durchschnittlichem Gewicht oder als Schwangere mit einem leichten Übergewicht. Generell solltest du die Gewichtszunahme nicht als etwas Negatives ansehen, sondern als eine von der Natur gegebene Entwicklung, die das ungeborene Baby mit allen nötigen Nährstoffen versorgt, die es braucht und die deinen Körper auf die Geburt vorbereitet.

Möglicherweise spürst du von nun an Rückenschmerzen oder Schmerzen in anderen Körperregionen, was daran liegt, dass die Mutterbänder in der Gebärmutter sich weiter dehnen und ein Schmerz in den Rücken oder andere Körperteile ausstrahlt. Falls die Schmerzen in der 17. SSW unerträglich werden, solltest du sowie in deiner gesamten Schwangerschaft einen Arzt nach Hilfe fragen und dich schonen.

 

Entwicklungen des Babys ab der 17. SSW

Der Fötus ist mittlerweile zur Größe einer Birne, also einer Scheitel-Steiß-Länge von ca. 10,6 cm herangewachsen und wiegt in der 17. SSW ungefähr 100 g. Je weiter die Schwangerschaft voranschreitet, desto individueller und unterschiedlicher werden die Größenangaben des Ungeborenen, sei also unbesorgt, wenn dein Baby ein bisschen größer oder kleiner ist – solange dein Arzt keine Auffälligkeiten entdeckt, ist mit deinem Ungeborenen alles in Ordnung.

Das Skelett deines Babys beginnt sich auszubilden, die weichen Knorpel, die vorher für die Stabilität im Körper verantwortlich waren, werden allmählich durch feste Knochen ersetzt. Das ungeborene Baby beginnt jetzt Fett anzusammeln und ist dadurch auch in der Lage seine eigene Körpertemperatur zu regulieren.

Außerdem beginnt es mit kleinen Atemübungen, wobei es Fruchtwasser ein- und ausatmet. Auf einem Ultraschallbild kannst du erkennen, wie dein Baby an seinem Daumen nuckelt oder mit der Nabelschnur spielt.

Was niedlich aussieht, ist ein Beweis dafür, dass ein lebenswichtiger Reflex, der sogenannte Saug- und Greifreflex, auch bei deinem Kind funktioniert. Diese und andere körperlichen Funktionen sowie Entwicklungen deines ungeborenen Kindes kann man auf den Bildern des Ultraschalls in der 17. SSW sehen.

Spezifischere Untersuchungen wie beispielsweise die sogenannte Fruchtwasseruntersuchung, auch Amniozentese bezeichnet, sind Bestandteile der Pränataldiagnostik, die durchgeführt wird, wenn bei der ersten großen Vorsorgeuntersuchung in der 11. bis 13. SSW auffällige Anzeichen bei dem Ungeborenen festgestellt worden sind. Die Fruchtwasseruntersuchung findet in der Regel zwischen der 14. und 17. SSW statt.

 

Pränataldiagnostik während der Schwangerschaft

Als Pränataldiagnostik (Abkürzung PND) bezeichnet man eigentlich alle gesundheitlichen Untersuchungen, die der Frauenarzt während der Schwangerschaft bei Mutter und dem ungeborenen Kind durchführt. Die PND dient dazu, Risikoschwangerschaften oder vorgeburtlich sichtbare Fehlbildungen beim Kind frühzeitig zu entdecken. Mittlerweile wurden einige Verfahren dafür entwickelt.

Die gebräuchlichsten Methoden wurden herausgesucht und werden dir im Folgenden vorgestellt:

  • Das Ersttrimesterscreening wird fast allen Frauen empfohlen. Es wird zwischen der 11. und 13. Schwangerschaftswoche durchgeführt und die Kosten werden normalerweise von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Das Ersttrimesterscreening ist eine nicht invasive Methode, das heißt, es muss nicht „in den Bauch gepikst“ werden.
  • Mit Ultraschall macht der Frauenarzt die Nackentransparenzmessung und es wird zusätzlich ein Bluttest bei der Mutter gemacht. Wenn dann noch das Nasenbein gemessen wird, so ist das Ergebnis noch genauer. Beide Verfahren zusammen können zeigen, ob bei deinem Kind eine fehlerhafte Chromosomenanzahl vorliegt, so wie unter anderem bei Trisomie 21, dem sogenannten Down-Syndrom.
  • Der Organultraschall, auch Feindiagnostik genannt, kann zwischen der 19. und 22. SSW gemacht werden. Auch er ist nicht invasiv, es werden per Ultraschall alle wichtigen Organe und Körperteile auf Fehlbildungen und Auffälligkeiten untersucht. Meistens wird als i-Tüpfelchen für die Eltern noch ein schönes “Foto” vom Baby gemacht, auf dem das Gesicht schon gut zu erkennen ist.
  • Noch ein gängiges nicht invasives Verfahren ist der triple- oder quadriple Test. Er kann zwischen der 15. und 18. SSW durchgeführt werden. Hier wird ein Bluttest bei der Mutter gemacht und auf drei oder vier Werte untersucht, die wiederum auf Trisomie 21 oder 18 deuten können.
  • Entdeckt der Frauenarzt bei einer dieser Untersuchungen Auffälligkeiten, so wird den Eltern eine Chorionzottenbiopsie oder eine Fruchtwasserpunktion bzw. -untersuchung nahegelegt. Beide zählen zu den invasiven Methoden, denn hier muss in den Bauch gestochen werden. Erstere kann ab der 11. Schwangerschaftswoche gemacht werden. Hierbei wird ein wenig Gewebe von der Plazenta entnommen und ein Gentest bei den Zellen gemacht. Bei der Fruchtwasserpunktion, auch Amniozentese genannt, wird ein wenig Fruchtwasser “abgesaugt” und die Zellen des Kindes wiederum mit einem Gentest untersucht. Sie kann ab der 13. SSW gemacht werden. Bei diesen beiden Untersuchungen ist der Befund genauer. Trotzdem werden sie erst bei Verdacht gemacht, da sie leider das Risiko einer Fehlgeburt um 0,5 % (Fruchtwasserpunktion) beziehungsweise 1,0 % (Chorionzottenbiopsie) erhöhen. Diese Diagnostik will also gut überlegt sein.
  • Die Nabelschnurpunktion, bei der Blut aus der Nabelschnur gewonnen wird, wird nur in speziellen Fällen gemacht. Dieses Blut kann unter anderem auf Blutgruppe, Toxoplasmose und Röteln untersucht werden.

 

Bedeutung der Pränataldiagnostik für die werdenden Eltern

Es ist ja schön und gut, dass schon per Ultraschall, nicht invasiv, Auffälligkeiten vorgeburtlich festgestellt werden können. Aber was heißt ein Ergebnis wie “hohe Wahrscheinlichkeit für Trisomie 21” für die Eltern? Will man das überhaupt wissen? Oder will man ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt in Kauf nehmen, um zu wissen, ob ein Kind eine Behinderung haben könnte? Es ist eine sehr individuelle persönliche Entscheidung und zieht eine hohe psychosoziale Belastung mit sich.

Wichtig für alle werdenden Eltern, d. h. auch für dich, ist: Alle Verfahren der PND zeigen nur Wahrscheinlichkeiten auf. Hohe, mittlere oder geringe Wahrscheinlichkeiten. Außerdem sind die Krankheiten, die durch PND entdeckt werden können, bis jetzt nicht heilbar.

Eltern werden also mit der Frage konfrontiert, ob sie mit einem unheilbar kranken oder einem genetisch anders gearteten Kind leben können und wollen oder ob sie eine Abtreibung in Erwägung ziehen. Wichtig ist also, dass Eltern das wissen und sich vorher überlegen, wie sie mit einer eventuell hohen Wahrscheinlichkeit umgehen. Oder ob sie es vielleicht lieber gar nicht wissen wollen.

Falls du davon betroffen bist, dann sind beide Entscheidungen – entweder für eine Aufklärung über eine mögliche Missbildung des ungeborenen Kindes oder für die Ungewissheit darüber – in Ordnung und die Wahl liegt ganz bei dir und deinem Partner als werdende Eltern. Eine ausführliche Beratung eines Facharztes kann dabei allerdings hilfreich sein und wird von vielen Eltern in dieser Situation in Anspruch genommen.

 

Trisomie 21 und Down-Syndrom

Es gibt schon in der Schwangerschaft einige Anzeichen, anhand derer man die Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt, beim Ungeborenen erkennen kann. Bei der Pränataldiagnostik werden zur Früherkennung häufig die Nackentransparenzmessung mit dem Organultraschall durchgeführt.

Mit ihnen können körperliche Merkmale bei dem Baby entdeckt werden, die die Wahrscheinlichkeit eines Down-Syndroms anzeigen. Bei der Amniozentese oder Chorionzottenbiospie (siehe Pränataldiagnostik) können Körperzellen des Babys aus dem Bauch der Mutter entnommen und auf Änderungen im Chromosomensatz untersucht werden.

Mittlerweile gibt es sogar ein Verfahren, bei dem aus dem Blut der Mutter dort vorhandene kindliche Körperzellen untersucht werden können. Welches und ob überhaupt ein Verfahren angewandt wird, hängt stark mit dem Alter der Mutter zusammen. Denn ein Alter der werdenden Mutter von über 35 Jahren erhöht das Risiko für ein Down-Syndrom beim Ungeborenen. Das Alter des Vaters spielt dabei allerdings so gut wie keine Rolle.

Es gibt also viele recht sichere Möglichkeiten der Früherkennung einer Trisomie 21 und viele Eltern nutzen sie auch. Lässt sich bei der Pränataldiagnostik eine Behinderung erkennen, so denken viele Eltern über eine Abtreibung nach. Es gibt Infocenter und Beratungsstellen, die den Eltern bei dieser so persönlichen und schwierigen Entscheidung helfen.

Das Down-Syndrom ist eine genetische Andersartigkeit, die mitunter zu einer verschieden stark ausgeprägten geistigen Behinderung führt. Namensgeber dieser Krankheit ist John Langdon-Down, der sie 1866 als erster als eigenständiges Syndrom beschrieb. Die genetische Ursache erkannte Jérôme Lejeune fast 100 Jahre später.

In jeder menschlichen Körperzelle steckt unser gesamter Chromosomensatz, der aus 23 verschiedenen Chromosomen und einem X oder Y als Geschlechtsmerkmal besteht. Dieser Chromosomensatz ist normalerweise doppelt, so dass wir also 46 XY oder 46 XX in jeder unserer Körperzellen besitzen. Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das 21. Chromosom 3-fach vorhanden, deswegen sagt man auch Trisomie 21 dazu.

Diese Veränderung im Genom führt zu körperlichen und geistigen Veränderungen, die das Aussehen, die Organe und die kognitiven Fähigkeiten betreffen. Menschen mit Trisomie 21 haben meistens typische Merkmale im Gesicht: Die Lidspalte ist spitz zulaufend, in den Augen sieht man Sprenkel an der Außenseite der Regenbogenhaut und die Nase ist flach. Die betroffenen Organe sind mitunter Herz, Darm, Fortpflanzungsorgane und die Ohren.

Die meisten Organfehler lassen sich heutzutage allerdings sehr gut operativ behandeln. In der Regel sind Männer nicht fruchtbar, Frauen hingegen meistens schon. Der Grad der geistigen Behinderung ist sehr unterschiedlich; die meisten erlernen lesen und schreiben ähnlich wie Gleichaltrige ohne Behinderung.

Menschen mit Down-Syndrom zeigen äußerst soziale Charaktereigenschaften. Auch Menschen mit dem Down-Syndrom können ein lebenswertes Dasein genießen. Die Zeitschrift Ohrenkuss beispielsweise wird nur von Menschen mit Down-Syndrom verfasst und es gibt sogar Fälle, bei denen Personen mit Down-Syndrom das Gymnasium abgeschlossen und studiert haben.

Die geistige Entwicklung und Fähigkeiten des Kindes hängen also sehr von einer guten Frühförderung ab, die vor allem bis zum Jugendalter eines großen Engagements der Eltern bedarf.

Falls bei dir also festgestellt wird, dass dein ungeborenes Kind Trisomie 21 hat, dann solltest du zusammen mit deinem Partner alle positiven und negativen Faktoren dieser genetischen Andersartigkeit sowie deren Konsequenzen für euer Leben und für das Leben des noch ungeborenen Kindes genau abwägen, bevor ihr euch für eine Abtreibung oder für die Freigabe zur Adoption nach der Geburt entscheidet.

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