Die 37. Schwangerschaftswoche (37. SSW)

Glückwunsch! Du hast nun neun Monate deiner Schwangerschaft erfolgreich überstanden! Nun beginnt die 37. Schwangerschaftswoche (SSW) und somit der 10. Schwangerschaftsmonat.

Wenn dein Kind bereits jetzt auf die Welt kommen sollte, so hat es die gleichen Überlebenschancen wie ein Kind, das regulär in der 40. Schwangerschaftswoche (SSW) auf die Welt kommt. Die 37. Schwangerschaftswoche (SSW) ist außerdem die letzte Woche, bei der dein Kind im Zuge einer frühzeitigen Geburt als (spätes) Frühchen bezeichnet werden würde.

Bereits ein spätes Frühchen benötigt meistens keine künstliche Beatmung, einen sogenannten Inkubator, in einen Brutkasten. Es besteht bei einer frühzeitigen Geburt also weder für dich noch für dein Ungeborenes ein erhöhtes, gesundheitliches Risiko.

Wenn dein Baby in der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) noch, wie im Normalfall, in deinem Bauch heranwächst, dann liegt es höchstwahrscheinlich schon in der richtigen Geburtsposition und die Geburt in voraussichtlich vier Wochen wird nicht durch eine ungünstige Liegeposition des Kindes erschwert.

Bei anderen Positionen des Kindes in deinem Bauch kann es zu Komplikationen bei der Geburt kommen, so dass in manchen Fällen ein Kaiserschnitt erforderlich ist.

Doch meistens werden bereits bei den, seit der 33. Schwangerschaftswoche (SSW) zweiwöchig stattfindenden Untersuchungen der Schwangeren und des ungeborenen Kindes Unstimmigkeiten und Auffälligkeiten festgestellt, wenn denn welche vorhanden sind, so dass dann medizinische Maßnahmen für den weiteren Schwangerschaftsverlauf und die Geburt getroffen werden können.

 

Veränderungen des Körpers ab der 37. SSW

Bereits in der letzten Schwangerschaftswoche (SSW) ist dein harter Bauch nicht mehr so sehr nach vorne gewölbt, sondern er sinkt eher mit dem Gewicht des Ungeborenen nach unten. Typische Beschwerden der Spätschwangerschaft in der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) sind Unterleibsschmerzen, etwa ein Ziehen im Unterleib, Übelkeit und Rückenschmerzen durch den wachsenden Bauchumfang und ein schwerer werdender Bauch.

Charakteristisch ist für die 37. Schwangerschaftswoche (SSW) auch ein vermehrt auftretender Juckreiz, der durch die gespannte Haut des Bauches ausgelöst wird. Zur Linderung hilft sanftes Eincremen mit Hautcremes, Körperlotions und Ölen. Wenn der Juckreiz dich wirklich sehr plagt und sehr stark schmerzt, dann fragst du am besten deinen Arzt oder deine Hebamme. Beide können dir weitere Möglichkeiten und Tipps zur Linderung des Juckreizschmerzes geben.

In der 37. Schwangerschaftswoche solltest du ohne Absprache mit deinem Arzt oder deiner Hebamme generell keine Mittel zur Linderung jeglicher Schwangerschaftsbeschwerden ausprobieren, da dies möglicherweise negative Konsequenzen für dich und dein Ungeborenes haben kann.

 

Entwicklungen des Babys ab der 37. SSW

Das Baby hat in der 37. Schwangerschaftswoche durchschnittlich eine Länge von 48 cm und ein Gewicht von 2950, d.h. beinahe 3 kg! Verständlich, dass es inzwischen kaum mehr Platz in deinem Bauch hat und durch die dadurch verstärkt auftretenden Wehen, die Vibrationen im Bauch um das Baby herum verursachen, regelrecht massiert wird.

Außerdem trinkt das Baby regelmäßig Fruchtwasser und es in seinen voll ausgebildeten Darm aufnimmt, um es später kurz nach der Geburt als sogenanntes Kindspech wieder auszuscheiden. In der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) ist das zukünftige mehrmals tägliche Windeln wechseln auch nicht mehr allzu weit entfernt. Keine Frage, es gibt definitiv schönere Beschäftigungen als dem kleinen Fratz alle paar Stunden eine neue Windel anzuziehen, aber es gehört einfach dazu. Mit der passenden Windel, einem Windeleimer und einer praktischen Wickelkommode wird das Wickeln schnell zur Routine. Auch für unterwegs bist du mit einer Wickeltasche und Babypflegeprodukten bestens ausgestattet.

Sowohl du als auch dein ungeborenes Kind seid in der 37. SSW so gut wie bereit für die baldige Geburt, weshalb viele Schwangere ab der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) den letzten Monat damit verbringen, jegliche Anzeichen als Vorboten der Geburt zu deuten. Du solltest dich aber davon nicht verrückt machen lassen, sondern stattdessen versuchen, während der nächsten Wochen als Schwangere die Ruhe zu genießen und dir eine schöne Zeit mit deinem Partner oder deinen engsten Vertrauten machen.

Falls jedoch auffällige Geburtsanzeichen, wie beispielsweise starke Vorwehen, auftreten sollten, dann ist es selbstverständlich ratsam, deinen Arzt oder deine Hebamme zu konsultieren, um weiteres Vorgehen gemeinsam abzusprechen.

 

Vorboten und Ablauf der Geburt ab der 37. SSW

Du bist nun im 10. Monat deiner Schwangerschaft und der Zeitpunkt der Geburt rückt immer näher. Für viele Frauen ist es der lang ersehnte Moment, weil sie danach endlich ihr Kind in den Armen halten werden. Für andere Frauen hingegen, die meist Erstgebärende sind oder Frauen mit bereits schlechter Geburtserfahrung, löst der Gedanke an die Geburt Unbehagen, Unwohlsein oder sogar Angst und Panik aus.

Da die Ursachen für diese Gefühle und Ängste vor der Geburt sehr persönlich und so verschieden wie die Frauen selbst sind, sollten Betroffene direkt mit ihrem Gynäkologen, ihrer Hebamme oder, in schlimmen Fällen, mit einem Psychologen über ihre tiefen Ängste vor der Geburt sprechen und sich so professionell beraten und helfen lassen.

Prinzipiell ist der weibliche Körper auf eine Geburt ausgelegt und so gebaut, dass eine Geburt theoretisch problemlos erfolgt. Allerdings gibt es sowohl physische als auch psycho-somatische Ausnahmen, die eine Geburt erschweren können und zu Komplikationen führen können. Deshalb sind in den paar Wochen vor dem errechneten Geburtstermin regelmäßig ärztliche Untersuchungen notwendig, um mögliche Komplikationen rechtzeitig zu erkennen und Vorsorge zu treffen, so dass sowohl die Schwangere als auch das noch Ungeborene bestens für die Geburt vorbereitet sind.

 

Wie kündigt sich die Geburt an?

Normalerweise treten erst ein paar Tage oder Stunden vor dem errechneten Geburtstermin typische Anzeichen einer bevorstehenden Geburt auf. Doch auch in der 37. SSW oder davor können solche Symptome auftreten und Zeichen für eine vorzeitige Geburt sein. Deshalb ist es für die Schwangere wichtig, diese Anzeichen zu erkennen und die richtigen Maßnahmen, wie zum Beispiel die Fahrt in die Klinik, zu ergreifen.

Ein paar Tage oder wenige Wochen vor der Geburt sinkt der Bauch etwas tiefer, da sich nun der Kopf des Ungeborenen langsam in Richtung Geburtskanal bewegt. Dadurch fällt dir wahrscheinlich das Atmen wieder leichter, aber dafür verspürst du nun einen stärkeren Druck auf die Harnblase und den Darm. Auch leichte Vorwehen wirst du in der letzten Zeit spüren.

Außerdem löst sich kurz vor der Geburt der Schleimpfropf, der den Muttermund verschlossen hat, möglicherweise mit einer leichten Blutung (Zeichenblutung). Ein Völlegefühl im Bereich des kleinen Beckens, häufiger Stuhlgang mit leichtem Durchfall, ein Nachlassen der Kindsbewegungen, Schlaf- und Appetitlosigkeit, Unruhe und das Gefühl, der Schwangerschaft überdrüssig zu sein, sind weitere Symptome, dass die Geburt kurz bevorsteht.

 

Der Blasensprung: jetzt geht’s los!

Die Zeitspanne zwischen dem Auftreten dieser Anzeichen und der Geburt ist je nach Frau unterschiedlich lange. Bei manchen Frauen treten einige der Symptome gar nicht auf. Ein eindeutiges Zeichen, dass die Geburt tatsächlich bald losgeht, ist der Blasensprung.

Dabei reißt die Fruchtblase auf, so dass entweder tröpfchenweise oder schwallartig das Fruchtwasser, welches zuletzt das Baby mit in der Gebärmutter umgeben hat, aus der Vagina austritt. Dann solltest du deine Hebamme bzw. die Klinik über den Vorfall benachrichtigen.

Wenn du weißt, dass der Kopf des Babys noch nicht fest im Beckenboden sitzt, solltest du dich jetzt schon liegend ins Krankenhaus fahren lassen, so dass die Nabelschnur nicht neben den Kopf des Ungeborenen rutscht und ein Nabelschnurvorfall verhindert werden kann. In diesem Fall muss die Hebamme und die Klinik direkt informiert werden, da es bei dieser Komplikation zu Sauerstoffmangel kommen kann.

 

Der Geburtsbeginn: regelmäßige Wehen

In den Stunden nach dem Blasensprung setzen dann allmählich regelmäßig die Wehen ein, die dann die Geburt einleiten. Falls dies nicht passiert, werden ärztliche Maßnahmen getroffen und die schwangere Frau beobachtet, um zu verhindern, dass Keime in die nun nicht mehr durch die Fruchtblase geschützte Gebärmutter eindringen. Der Zeitpunkt, an dem nun regelmäßige Wehen auftreten, gilt als der eigentliche Geburtsbeginn.

Die Wehen führen dazu, dass sich der Muttermund nach und nach öffnet, wobei anfangs die Wehen kurz und schwach sind und die Pausen zwischen den Wehen länger. Wenn sie dann stärker werden, beginnt die Schmerzempfindung häufig zuerst im Rücken und strahlt in den unteren Bauch und die Oberschenkel aus. Allmählich werden die Wehen regelmäßig und kräftig und die Pausen dazwischen werden kürzer.

Kommen die Wehen länger als 30 Minuten in regelmäßigen Abständen von zehn Minuten oder weniger, wird es langsam Zeit für die Fahrt in die Klinik, in das Geburtshaus oder für den Anruf bei der Hebamme zur Hausgeburt. Allerdings besteht nur in den seltensten Fällen besteht Grund zur Hektik, da besonders beim ersten Kind die Geburt meistens zwischen zwölf und 18 Stunden dauert.

 

Die vier Phasen der Geburt

Der mehrere Stunden andauernde Geburtsprozess wird in vier Phasen unterteilt: die Eröffnungsphase, die Übergangsphase, die Austreibungsphase und die Nachgeburtsphase.
Sobald du in der Klinik oder im Geburtshaus angekommen bist, wird zunächst festgestellt, wie weit die Geburt schon fortgeschritten ist.

Im Kreißsaal ertastet die Hebamme die Lage des Kindes am Bauch der Mutter und überprüft durch die innere Untersuchung, wie weit sich der Muttermund schon gedehnt hat. Die Herztöne des Kindes und die Wehentätigkeit der werdenden Mutter werden mit dem CTG geprüft.

Falls die Geburt noch am Anfang ist, kann ein langer Spaziergang durch den Klinikgarten bzw. –park oder über die Flure dazu beitragen, dass die Wehen regelmäßig und kräftig werden. In manchen Fällen helfen auch ein heißes Bad, Massagen oder Treppensteigen. Auch diese wehenfördernden Maßnahmen sind in der Klinik möglich.

 

Eröffnungsphase

Die Zeitspanne bis zur vollständigen Öffnung des Muttermundes wird als Eröffnungsphase bezeichnet und sie ist die längste Phase der Geburt. Bis zur Öffnung des Muttermundes vergehen beim ersten Kind durchschnittlich acht bis 14 Stunden und bei weiteren Geburten dauert es im Durchschnitt nur sechs Stunden.

In dieser Zeit werden die Wehen immer stärker und länger und die Pausen dazwischen kürzer. Am Ende der Eröffnungsphase kommen die Wehen alle zwei bis drei Minuten und dauern ungefähr eine Minute.

Glücklicherweise geht mit jeder einzelnen Wehe die Geburt ein kleines Stück weiter. Der kleine Kopf des Kindes tritt langsam in den knöchernen Beckenring der Mutter ein. Er drückt von innen auf den Muttermund, der sich allmählich bis auf etwa zehn Zentimeter öffnet. Wenn die Fruchtblase nicht schon vor Geburtsbeginn gesprungen ist, passiert dies meistens nun während der Eröffnungsphase.

In einigen Fällen wird die Fruchtblase auch von der Hebamme mit einem kleinen Instrument geöffnet, falls die Geburt ins Stocken gerät. Diesen Vorgang nennt man Fruchtblasensprengung (Amniotomie). Nachdem das Fruchtwasser abgelaufen ist, drückt der Kindskopf direkt und ohne den Schutz der gefüllten Fruchtblase von innen auf den Muttermund. Das führt dann meistens zu kräftigeren Wehen und einer Beschleunigung des Geburtsverlaufs.

In der Eröffnungsphase werden außerdem noch einige Kontrolluntersuchungen wie zum Beispiel die Kontrolle der Herztöne des Kindes und des Muttermunds durchgeführt. Bei den vaginalen Untersuchungen durch die Scheide ertastet die Hebamme, wie weit der Muttermund geöffnet ist, ob er fest oder weich ist, wie weit sich der Kopf des Kindes vorwärts geschoben hat und ob sich der Kopf des Kindes richtig dreht. In manchen Fällen sind weitere Untersuchungen wie Blutdruck-Kontrollen, Blutentnahmen und Fiebermessen bei der werdenden Mutter notwendig.

In früheren Zeiten waren des Weiteren Hygienemaßnahmen wie Einlauf, Körperreinigung durch ein Vollbad oder eine Dusche, Kürzen oder Rasieren der Schamhaare oder Desinfektion der äußeren Geschlechtsorgane üblich. Heutzutage ist dies optional, denn jede Frau soll frei entscheiden, ob und wann sie einen Einlauf wünscht und ob sie die Schamhaare rasiert haben möchte.

 

Die Schmerzen lindern

Neben den möglichen Hygienemaßnahmen beschäftigen sich viele werdende Mütter viel mehr mit der Bewältigung der Erschöpfung und der Schmerzen während der lang andauernden Eröffnungsphase. Bei fast jeder Geburt gibt es Augenblicke, in denen eine werdende Mutter glaubt, nicht mehr weitermachen zu können. Diese Gedanken sind vollkommen normal und bedeuten keineswegs, dass sie die Geburt nicht schafft. Viel wichtiger ist in diesen Momenten, sich nicht gegen die Wehen innerlich zu wehren.

Da dies leichter gesagt ist als getan, können in schlimmeren Fällen verschiedene Maßnahmen zur Linderung der Wehenschmerzen eingeleitet werden. Zu den natürlichen Maßnahmen gehören der Wechsel der Körperhaltung beispielsweise das Sitzen auf dem Gymnastikball, das Liegen auf der Seite oder ein kurzes Umhergehen mit Unterstützung der Hebamme oder der Begleitperson.

Außerdem können Entspannungs- und Atemübungen, Entspannungshilfen wie zum Beispiel ein Fußbad, eine Wärmflasche oder eine Massage von Rücken und Steißbein, ein warmes Vollbad, Akupunktur oder andere alternative Methoden zur Beruhigung und Schmerzlinderung beitragen. Entspannende und schmerzlindernde Medikamente oder regionale körperliche Betäubungen wie beispielsweise eine Periduralanästhesie (PDA) und Pudendusblock gehören zu den medizinischen Möglichkeiten, den Geburtsschmerz etwas zu reduzieren.

Die Eröffnungsphase an sich ist eine sehr anstrengende Phase, wobei sehr viel Energie verbraucht wird. Einige Frauen müssen sich übergeben, da die starken Kontraktionen der Wehen auch den Magen reizen. Deshalb ist es wichtig, während der Geburt keine schwer verdaulichen Lebensmittel zu essen. Zu empfehlen sind dagegen kleine Snacks wie Schokolade, Müsliriegel, Traubenzucker oder auch Saft, da sie den Magen nicht belasten und wenigstens für kurze Zeit viel Energie für die energieverzehrende und nervenaufreibende Geburt liefern.

 

Die Übergangsphase

Nach der Eröffnungsphase folgt die kurze, aber doch heftige Übergangsphase, wobei der Muttermund vollständig geöffnet wird und deshalb die eigentliche Geburt nun kurz bevorsteht.

Bereits im Laufe der Eröffnungsphase haben die meisten Frauen einen Rhythmus gefunden, die stärker werdenden Wehen zu verarbeiten. In der Übergangsphase werden die Wehen allerdings unregelmäßig und manchmal folgen sie schnell aufeinander und sind deshalb schwer zu veratmen. Die Erholungspausen zwischen den Wehen sind relativ kurz und hin und wieder bleibt kaum eine Atempause zwischen den Wehen. Übelkeit und Zittern können weitere typische Begleiterscheinungen der Übergangsphase sein.

Die Übergangsphase ist für die meisten Frauen der Zeitraum, in dem sie sowohl körperlich als auch mental einfach nicht mehr können und aufgeben wollen. Viele wollen einfach nur noch nach Hause, sie verlangen nach einem Kaiserschnitt oder sind schlichtweg erschöpft, gereizt, wütend oder mutlos.

„Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr!“ – diese Gedanken sind vollkommen normal und auch du solltest diese emotionalen Ausbrüche während der Geburt deines Kindes zulassen und nicht unterdrücken. Seinen Emotionen Lauf zu lassen, ist während einer Geburt absolut verständlich und das ärztliche Personal, die Hebamme und auch dein Partner werden und sollten dafür vollstes Verständnis haben und dich soweit wie möglich unterstützen und dir Mut für den weiteren Geburtsverlauf machen.

 

Die Austreibungsphase

Nach der nervenaufreibenden und körperlich anstrengenden Übergangsphase folgt die Austreibungsphase, wenn der Muttermund endgültig und vollständig geöffnet ist. Bei der ersten Geburt kann sie bis zu zwei Stunden dauern, bei der zweiten und jeder weiteren Geburt verkürzt sie sich manchmal auf wenige Minuten bzw. auf einige kräftige Wehen.

Während der Austreibungsphase werden in Abständen die Herztöne des Kindes beobachtet. Starke Wehen und etwas längere Pausen kennzeichnen die Austreibungsphase, wobei der Kopf des Kindes mit jeder Wehe weiter durch das Becken gedrückt wird und sich dabei so dreht, dass es sich dem anatomisch vorgegebenen Geburtsweg anpasst und die werdende Mutter bzw. der Geburtskanal unwillkürlich anfängt mitzudrücken. Du kannst in dieser Phase endlich dem Druck nach unten etwas nachgeben und mit Kraft dein Kind weiter nach unten drücken, wodurch der Kopf des Kindes bei jeder Wehe weiter nach unten rutscht.

Du solltest mit deiner Bauchmuskulatur, der Atmung und gerne auch mit lauten, tiefen Tönen die Kraft der Presswehen unterstützen. Bei vielen Frauen, die zuvor keinen Darm-Einlauf hatten, entleert sich im Zuge des Drucks nun oft auch der Darm. Dies ist vollkommen normal und ließe sich auch nicht aufhalten.

Während der Austreibungsphase kannst du auf einem Hocker oder in der Wanne sitzen, auf dem Boden hocken oder im Bett liegen – alles ist erlaubt und ergibt sich aus deinem momentanen Befinden. Am Ende des Geburtsvorgangs ist die Geburtsposition oft eine ganz andere als eigentlich mit der Hebamme oder den Ärzten besprochen. Hebammen und ärztliches Personal sind daran gewöhnt, flexibel zu reagieren und zu agieren, weil keine Schwangere vorher weiß, wie sie sich während der Geburt und am Ende des Geburtsprozesses fühlen wird.

In der Austreibungsphase spürst du dann möglicherweise die stärksten Schmerzen, allerdings schüttet dein Körper auch die meisten Botenstoffe aus. Diese bewirken, dass der Schmerz gedämpft wird und du eventuell einen rauschähnlichen Zustand verfällst. Vielleicht vergisst du so wie viele andere Frauen alles um dich herum und realisierst erst wieder das Geschehen, wenn die Wehen wieder nachlassen.

In der Pause der letzten Presswehen ist dann meistens der Kopf des Kindes von außen zu sehen. Die Hebamme hält dann oft den Damm von außen und minimiert so etwas den Druck durch den Kopf des Kindes, wodurch das dünne Dammgewebe entlastet wird und sich langsam weiter dehnen kann – diese Maßnahme nennt man übrigens „Dammschutz“.
Mit den darauffolgenden Presswehen erscheint zuerst der Hinterkopf des Kindes, dann die Stirn und dann das ganze Gesicht. Nach einer kurzen Verschnaufpause folgen mit der nächsten Wehe letztendlich die Schultern und der Körper des Kindes. Der Geburt des Kindes ist damit vollendet.

Nach der Geburt wird das Gesicht des Kindes kurz vom Schleim befreit, so dass es richtig durchatmen und die Augen öffnen kann. Wenn es gesund ist und keine Komplikationen seitens der frischgebackenen Mutter oder des Neugeborenen vorliegen, dann wird das Neugeborene in der Regel auf den Bauch oder an die Brust der Mutter gelegt und abgenabelt. Anschließend erfolgt die letzte Geburtsphase, die Nachgeburtsphase.

 

Die Nachgeburtsphase

In der Nachgeburtsphase, d.h. einige Minuten nach der Geburt des Kindes, zieht sich die Gebärmutter durch die Nachgeburtswehen stark zusammen, wodurch sich der Mutterkuchen von der Gebärmutterwand ablöst.

Die Hebamme stellt durch Abtasten des Bauches fest, ob der Mutterkuchen schon komplett abgelöst ist, was meistens nach etwa zehn Minuten der Fall ist. Falls er sich noch nicht abgelöst hat, ist es hilfreich, das Baby an die Brust zu legen, da seine Saugbewegungen Nachwehen anregen, die das Zusammenziehen der Gebärmutter fördern und dabei der Mutterkuchen, d.h. die Plazenta, abgestoßen wird.

Durch ein paar weitere kräftige Wehen werden nun neben dem Mutterkuchen auch die Eihäute, die die Fruchtblase gebildet haben, aus der Gebärmutter gedrückt. Den Mutterkuchen zieht die Hebamme dann vorsichtig an der Nabelschnur aus der Scheide heraus.

Dieser Vorgang bereitet keine Schmerzen, weil die Nachgeburt im Vergleich zum Kind klein ist und sich sehr gut an den Geburtsweg anpasst. Außerdem wird zusammen mit dem Mutterkuchen meistens ein größerer Schwall Blut (ca. 300 ml) ausgestoßen, wonach die Blutung immer weniger wird.

Hat sich der Mutterkuchen nach 30 Minuten noch nicht von selbst gelöst, wird von außen nachgeholfen. Denn je länger die Plazenta in der Gebärmutter verbleibt, desto größer ist das Risiko starker Nachblutungen, da sich die Gebärmutter nicht genügend zusammenziehen kann.

Nachdem die Nachgeburt aus der Gebärmutter von selbst gedrückt oder von der Hebamme rausgezogen wurde, wird sie sofort auf ihre Vollständigkeit geprüft. Denn falls ein kleiner Rest in der Gebärmutter verbleibt, könnte dies übermäßige Blutungen und eine Entzündung in der Gebärmutter verursachen.

Sobald die Gebärmutter leer ist, zieht sie sich mithilfe der Nachwehen weiter zusammen, bis es aus der Wundfläche, wo sich vorher der Mutterkuchen befand, kaum noch blutet. Die Nachwehen können zwar schmerzhaft sein, aber ein Schmerzmittel wird zu diesem Zeitpunkt nur noch selten gewünscht bzw. empfohlen.

Nachdem der Mutterkuchen ausgestoßen wurde, wird das Beckenbodengewebe der frischgebackenen Mutter auf eventuelle Verletzungen untersucht, wie zum Beispiel einen Dammriss, die sofort versorgt werden. Natürlich wird auch das neugeborene Kind untersucht, gemessen, gewogen und anschließend an die Brust der Mutter gelegt.

Viele Frauen fühlen sich von der Geburt so erschöpft und müde, dass sie sich noch nicht vollständig auf ihr Kind einlassen können. Andere Neu-Mamas sind hellwach, beinahe wie im Rausch und sind total gerührt vor Glück und erleichtert über die endlich beendete Geburt. Wiederum einige andere Frauen bekommen Hunger und möchten sofort etwas essen.

Nach der Geburt bleiben Mutter und Kind zusammen mit dem Vater des Kindes bzw. dem Partner noch ca. zwei Stunden im Kreißsaal, wobei die Familie so wenig wie möglich gestört wird. Nur hin und wieder wird die Blutung aus der Gebärmutter kontrolliert.

Ist nach ca. zwei Stunden alles in Ordnung, kann – im Falle einer stationären Geburt – zur Wochenstation gewechselt werden. Bei einer ambulanten Geburt wird die Zeit bis zur Entlassung aus der Klinik vorsichtshalber auf vier Stunden ausgedehnt. Wie es bei einer Geburt in einem Geburtshaus abläuft, hängt von dem jeweiligen Geburtshaus ab.

In den meisten Fällen wird aber auch hier die Mutter mit dem Neugeborenen nach ca. vier Stunden entlassen, wenn eine ambulante Geburt geplant war. Bei einer Hausgeburt befindet sich die Mutter bereits in den eigenen vier Wänden und kann dort auch verweilen, wenn nach medizinischer Sicht der betreuenden Hebamme sowohl mit der Neu-Mama als auch mit dem Neugeborenen alles in Ordnung ist.

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